Goldenes Kegelspiel

Die Sage vom Totensee auf der Villanderer Alm

An der Grenze zum Sarntal befindet sich auf der Villanderer Alm das Totenkirchlein mit dem gleichnamigen See, dem Totensee. Dabei handelt es sich um einen eiskalten, aber kristallklaren Bergsee, über den es – wie über so vieles in Südtirol – eine Sage gibt. Mit dem „Goldenen Kegelspiel“ hat der Volksmund seine eigene Variante, wie dieser sehenswerte Totensee, welcher auch der „Toate See“ genannt wird und ein beliebtes Ausflugsziel auf der Villanderer Alm ist, entstanden ist.

Damals gab es dort, wo sich heute der Totensee befindet, einen dichten Wald. Zudem war hier ein Goldbergwerk, welches sehr ergiebig war. Dass es in dieser Gegend ein Bergwerk gegeben hat, steht außer Zweifel, denn schließlich kann man hier noch heute zahlreiche Stolleneingänge und Knappenlöcher finden. Die Goldvorkommnisse in dieser Gegend zogen aus allen Teilen der Welt zahlreiche Knappen an, die hier nach Gold schürften. Und so entstand hier eine ganze Stadt. Der Reichtum brachte es auch mit sich, dass die Häuser der Knappen sehr schön waren bzw. jeder versuchte, sein Haus noch schöner zu bauen als der andere.

Die Knappen waren sehr fleißig. Den Lärm der Knappen, der durch das Hämmern, Graben, Schmelzen und Schmieden entstand, hörte man bis hinunter ins Tal. Der Reichtum brachte es jedoch auch mit sich, dass die Bewohner übermütig und stolz wurden. Man kleidete sich mit bester Seide und mit Samt, beim Essen wurde nicht gespart und auch die Keller waren voller Wein der besten Sorten. In den Vorgärten und den Straßen standen Tische und Stühle aus reinem Gold.

Eine Lieblingsbeschäftigung der Knappen war das Kegelspiel. Und aufgrund des enormen Reichtums fertigten sie sich ein Spiel an, bei dem die Kugel und die Kegel aus reinem Gold waren. Von diesem Reichtum und dem Leben waren die Knappen aber schon bald so gefesselt, dass diese nicht mehr in die Kirche gingen und die Gottesdienste nicht mehr besuchten. Sie vergaßen schlichtweg ihre christlichen Pflichten.

Ein Landpfleger sollte für Ordnung sorgen

Ein Landpfleger aus Waidbruck wurde für die Ordnung eingesetzt. Der Landpfleger selbst war ein sehr frommer und sehr gebildeter Mann. Als er von dem Leben der Knappen erfuhr, ritt er in das Revier der Knappen. Dabei bestätigten sich die Gerüchte, welche ihm über das Leben der Knappen zu Ohren gekommen sind. Als er ankam, waren die Knappen zu einem großen Gelage versammelt, sie spielten und machten derbe Späße. Dies hatte den Landpfleger veranlasst, mit den Knappen derart zu schimpfen, dass dessen Worte noch im Tal zu hören waren.

Die harten und lauten Worte des Landpflegers schienen zunächst erfolgreich gewesen zu sein. Die Knappen waren derart betroffen, dass diese wieder pflichtbewusst ihrer Arbeit nachgingen. Und so schürften, gruben, schmolzen und schmiedeten sie wieder. Doch die Läuterung des Landpflegers hielt nicht sehr lange an. Bald wurden die Knappen wieder übermütig und verfielen wieder in ihr lasterhaftes Leben. Ihr Kegelspiel spielten sie jedoch nicht mehr im Freien, sondern verlegten dieses in einen Stollen.

Eines Tages zogen die Knappen ihr goldenes Kegelspiel wieder dem Gottesdienst vor. Da zog ein heftiges Gewitter mit Blitzen, Donner und einem Wolkenbruch heran, wie es zuvor noch niemand gesehen bzw. miterlebt hatte. Die Knappen waren jedoch von ihrem goldenen Kegelspiel im Stollen so gefesselt, dass diese von dem Gewitter gar nichts mitbekamen. Der Stollen brach aufgrund des heftigen Unwetters allerdings zusammen und begrub die Knappen mit ihrem goldenen Kegelspiel.

An dem Eingang zu dem Goldstollen, in dem die Knappen samt ihrem Kegelspiel verschüttet wurden, sammelte sich das Wasser und ist auch heute noch vorhanden – dies ist der Totensee. Das goldene Kegelspiel, die goldenen Tische und Stühle sollen von einem Bauer aus Gißmann einmal gesehen worden sein. Er bezeugte, dass die goldenen Gegenstände ein derartiges Ausmaß haben, dass damit ein gewöhnlicher Mensch kaum hätte spielen können.

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