Archeoparc Feldthurns

Der Archeoparc Feldthurns Tanzgasse

Dass die Gegend rund um das Eisacktal in Südtirol schon auf eine jahrtausendjährige Besiedlungsgeschichte zurückblicken kann, ist grundsätzlich keine neue Erkenntnis. Schon früh entdeckten die Menschen die Vorzüge dieser Hänge, die durch die nach Süden ausgerichteten Hänge klimatisch begünstigt sind. Beweise für die Besiedlung der Gegend liefern zahlreiche Funde, welche vor allem in Feldthurns, einer Gemeinde innerhalb der Südtiroler Bezirksgemeinschaft Eisacktal, ans Tageslicht kamen.

In Feldthurns war das Amt für Bodendenkmäler Bozen im Bereich der Tanzgasse seit den 1980er Jahren an einer zentralen Fundstelle beschäftigt, bei der unter anderem Grabstätten und Teile einer Keramikherstellung zum Vorschein kamen. Die Anlage „Archeoparc“ gilt heute als archäologisches Juwel, bei dem die Besucher Einblicke in ein komplexes Kult- und Gräberfeldareal der Kupferzeit erhalten. Zudem dienen die Einhausungen dazu, dass die archäologischen Strukturen vor Witterungseinflüssen geschützt sind.

Die Tanzgasse

Bei dem Namen „Tanzgasse“ handelt es sich um eine Flur, die sich an einem leicht terrassierten Gefälle im Zentrum von Feldthurns befindet. Damals wurde die Tanzgasse noch „Danzwiese“ bezeichnet, was die Vermutung nahe legt, dass sich hier einst die Hexen zum Tanz getroffen haben. Solche Tanzplätze hat es in zahlreichen Dörfern gegeben, bis diese im 17. und 18. Jahrhundert durch die Volksmissionsprediger beseitigt wurden.

Dass in dem Gebiet der Tanzgasse ungeahnte archäologische Schätze verborgen sind, konnte bei Beginn der Grabungen im Jahr 1983 niemand ahnen. Bis heute konnten hier Zeugnisse ans Tageslicht befördert werden, mit denen eine 7.000jährige Geschichte nachvollzogen werden kann. Zunächst hatte man im Jahr 1983 archäologische Schichten entdeckt, die weitere Grabungskampagnen folgen ließen. Aufgrund der großen Bedeutung des Fundplatzes wurde der Kauf des Grundstücks von der Gemeinde Feldthurns und dem Denkmalamt veranlasst, damit dieses Kultareal allen Interessierten zugänglich gemacht werden kann und für die weitere Forschung zur Verfügung steht.

Damals war das Areal deutlich ausgedehnter, als sich heute der musealisierte Bereich zeigt. Einst umfasste das Areal auch Steinkegel, welche auch als Grabstätte dienten. Die Führungsschicht einer Dorfgemeinschaft, die sich Mitte des 3. Jahrtausends vor Christus in Feldthurns niedergelassen hatte, wurde in dem Gräberfeld bestattet.

Die Besiedlung von Feldthurns

Die Besiedlung von der heutigen Feriengemeinde im Südtiroler Eisacktal konnte anhand der archäologischen Funde sehr gut nachvollzogen werden.

Jungsteinzeit

Schon in der frühen Jungsteinzeit und deren Endphase um das Jahr 4800 bis 4700 vor Christus wurde die Gegend von Feldthurns von den Menschen zur Besiedlung genutzt. Die Menschen betrieben zum Überleben die Viehzucht und den Ackerbau, deren Spuren in der Tanzgasse und im Bereich des Fernheizwerkes und Schwimmbades zum Vorschein kam.

Wie es aussieht, konnten die Menschen schon damals Getreide und Hülsenfrüchte anbauen und Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Schweine und Ochsen halten.

Derzeit geht man davon aus, dass die Gegend um Feldthurns von der Mitte des 5. Jahrtausens vor Christus bis zur späten Kupferzeit nicht besiedelt gewesen war. Diese Erkenntnis kann allerdings auch mit dem noch lückenhaften Forschungszustand zu tun haben.

Kupferzeit

Was aus der Kupferzeit in dem Gebiet gefunden wurde, wird im Archeoparc Feldthurns eingehend ausgestellt. Die Ausstellungsgegenstände stammen aus der Zeit zwischen zirka 2500 bis 2200 vor Christus. Es werden unter anderem Beigaben gezeigt, die in den Steintumuli zusammen mit verbrannten Menschen- und Tierknochen gefunden wurden.

Bronzezeit

Feldthurns war während der Bronzezeit (2000 vor Christus) nur sehr lose besiedelt. Um das 16. bis 13. Jahrhundert vor Christus hat es im Bereich der Tanzgasse und am Pflegerbühel wahrscheinlich feste bäuerliche Siedlungen gegeben. Aus der Zeit vom 12. bis zum 10. Jahrhundert vor Christus wurden unter anderem große Feuergruben, Hütten aus Holz und auch verziertes Keramikgeschirr gefunden.

Eisenzeit

Im Gebiet des heutigen Feldthurns breitete sich in der Eisenzeit – 1. Jahrtausend vor Christus – eine ausgedehnte Siedlung aus.

Römerzeit

Feldthurns wurde bereits kurz nach dem Feldzug des Drusus zum Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus romanisiert, wie anhand von typischen Schmuckstücken und Keramikgefäßen nachvollzogen werden konnte. Auch während der Römerzeit haben die Einwohner vornehmlich vom Ackerbau und der Viehzucht gelebt, wo ihnen die Lage an den Sonnenhängen und das milde Klima im Winter gute Bedingungen gegeben haben dürfte.

Frühmittelalter

Zu einem wesentlichen Rückgang in der Bevölkerung kam es in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts nach Christus. Dies dürfte mit dem Rückzug des römischen Militärs und den ersten Einfällen germanischer Völker zu tun gehabt haben.

Erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts kam es zu einer erneuten Besiedlung des Gebietes von Feldthurns. Aus der Zeit des 5. bis 7. Jahrhunderts nach Christus hat man Funde ans Tageslicht befördert, die vermuten lassen, dass die Gegend fortlaufend besiedelt war.

Öffnungszeiten und Führungen

Der Archeoparc Feldthurns ist ganzjährig an den Wochentagen Dienstag bis Sonntag von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Dienstags werden um 17:00 Uhr Führungen angeboten. Zusätzlich werden in den Monaten Juni bis September auch im ersten Samstag im Monat um 17:00 Uhr Führungen angeboten.

Hinweis

Wer weitere Ausgrabungen besichtigen möchte, dem wird ein Besuch des Schlosses Velthurns – unweit des Archeoparcs – empfohlen. In diesem Schloss befindet sich eine archäologische Ausstellung von Funden sowohl aus Feldthurns als auch des Eisacktals. Näheres hierzu unter: Schloss Velthurns.

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