Latzfonser Kreuz

Latzfonser Kreuz – Santa Croce di Lazfons

Die höchstgelegene Wallfahrtskirche Südtirols und eine der höchstgelegenen Pilgerstätten Europas befindet sich im Südtiroler Eisacktal. Das Latzfonser Kreuz befindet sich auf einer Höhe von 2.300 Metern über dem Meeresspiegel in den Sarntaler Alpen und wurde nach Latzfons, der größten Fraktion der Stadt Klausen, benannt.

Wer zum Latzfonser Kreuz gehen möchte, der findet dieses etwas unterhalb der Lückl-Scharte an der Südflanke der Kassianspitze. Diese wiederum liegt zwischen dem Durnholer Tal im Westen und dem Eisacktal im Osten. Die meisten Pilger gehen den Weg von Latzfons über die Klausner Hütte. Oberhalb der Klausner Hütte beginnt ein Kreuzweg mit 15 Stationen und führt direkt zum Latzfonser Kreuz. Die Gehzeit für diese Route beträgt etwa drei Stunden. Wer schneller am Latzfonser Kreuz ankommen möchte, der kann den Parkplatz Kasereck als Ausgangspunkt nutzen. Von diesem Parkplatz, welcher sich bereits auf einer Höhe von 1.959 Metern über dem Meeresspiegel befindet, erreicht man das Latzfonser Kreuz in etwa 1 ½ Stunden Gehzeit.

Vom Latzfonser Kreuz aus bietet sich den Besuchern und Pilger eine hervorragende Aussicht. So kann man von dieser Höhe bis zum Langkofel, dem Kesselkogel und zum Rosengarten sehen.

Hintergrund

Schon zu prähistorischer Zeit könnte eine kleine Felshöhle, welche sich in der Nähe der Schutzhütte befindet, eine Kultstätte gewesen sein. Dies vermuten zumindest einige Forscher. Sicher ist, dass sich hier schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen aufgehalten haben. So wurden in der Fortschellscharte, unweit des Latzfonser Kreuzes, Funde aus der Mittelsteinzeit entdeckt. Zudem wurde südlich der Fortschellscharte ein bronzezeitlicher Schmelzplatz gefunden.

Was die wahre Geschichte des Latzfonser Kreuzes ist, ist heute nicht bekannt. Vielmehr gibt es über das Latzfonser Kreuz eine Sage. Diese besagt, dass etwa um den Jahrhundertwechsel vom 17. in das 18. Jahrhundert drei Sommer in Folge die Ernte vom Hagel zerstört wurde. Der damalige Pfarrer von Latzfons ließ daher nach einem Herrgottsbild suchen. Dieses wurde schließlich unter altem Gerümpel in der Totenkapelle gefunden. Es handelte sich um den „Schwarzen Herrgott“. Dies war eine Holzskulptur des gekreuzigten Jesus, welcher mit einem Gemisch aus Pech und Ochsenblut bemalt wurde.

Die Leute brachten den Schwarzen Herrgott im Rahmen einer großen Prozession zum Kaserbild. Hier sollte das Kreuz die Unwetter abwenden. Der Herrgott selbst soll der Sage nach allerdings mit dem Aufstellungsort nicht einverstanden gewesen sein und darüber den Kopf geschüttelt haben. Daher wurde es zum Kompatsch – hier befindet sich heute die Klausner Hütte – gebracht. Nachdem auch dieser Ort ihm nicht gefiel, wurde es noch weiter nach oben gebracht und schließlich unterhalb des Ritzlar auf den Böden aufgestellt. Dieser Platz schien dem Herrgott schließlich zu gefallen.

Der Ort, an dem der Schwarze Herrgott aufgestellt wurde, lockte schon sehr bald Pilger an. So kamen hier nicht nur die Hirten der umliegenden Almen, sondern auch Leute aus weiter entfernten Orten.

Die Kapelle am Latzfonser Kreuz

Da der Schwarze Herrgott an dem neuen Standort sehr dem Wetter ausgesetzt war, baute man im Jahr 1743 zu dessen Schutz eine kleine Kapelle.  Die Kapelle war in den 1860er Jahren baufällig geworden. Daher wurde ab dem Jahr 1867  die Kapelle abgerissen und eine stattlichere Bergkirche aufgebaut. Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde die neue Bergkirche geweiht. Seitdem wird immer am Freitag nach Fronleichnam der Schwarze Herrgott im Rahmen einer feierlichen Bittprozession von Latzfons in die Kirche hinaufgetragen. Dort verbleibt er bis zum Oktober und wird dann wieder nach Latzfons zurück gebracht.

Das Schutzhaus am Latzfonser Kreuz

Die Gemeinde Latzfons errichtete um das Jahr 1800 ein Schutzhaus, um den zahlreichen Pilgern eine Unterkunft zu geben. Das Schutzhaus wurde als einfaches Hospiz errichtet und wurde direkt neben der Kapelle gebaut. Ein Mann hatte möglicherweise im Winter 1950 das Schutzhaus in Brand gesetzt und kam dabei selbst ums Leben. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern ab. Schon kurz nachdem das Schutzhaus abgebrannt ist, wurde ein neues Gebäude errichtet. Für den Neuaufbau setzte sich der Alpenverein Südtirol und das erzbischöfliche Generalvikariat in Trient ein, welche den Wiederaufbau aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht umsetzen konnten. Der Wiederaufbau lag damit bei der Gemeinde Latzfons, die das Schutzhaus wieder als einfaches Haus aufbauen ließ.

Um die Jahrhundertwende vom 19. in das 20. Jahrhundert wurde das Schutzhaus baufällig. Der Alpenverein hatte zwar zu dieser Zeit bereits angeboten, das Schutzhaus zu übernehmen, doch dieses Angebot wurde von der Gemeinde Latzfons nicht angenommen. Aufgrund des schlechten Zustandes musste das Haus im Jahr 1947 komplett geschlossen werden. Der zerfallene Bau wurde vom Pfarrer Bartholomäus Terzer für die Pfarrei erworben. Mit Unterstützung der Bevölkerung konnte ein neues Haus, welches im Jahr 1952 geweiht wurde und noch heute in Betrieb ist, aufgebaut werden.

Weitere Artikel zum Thema: